4.471 Tonnen illegaler Müll – Leipzig hat nicht nur ein Entsorgungsproblem!

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Stellungnahme von CLEANUP Leipzig zur Pressemitteilung der Stadt Leipzig vom 13. Oktober 2026 | https://www.leipzig.de/newsarchiv/news/illegale-muellentsorgung-nimmt-weiter-zu-stadt-leipzig-verhaengt-bussgelder

Mehr Bußgelder sind notwendig. Aber sie allein werden unsere Stadt nicht sauberer machen.

Was die Stadt Leipzig in ihrer aktuellen Pressemitteilung zur illegalen Müllentsorgung veröffentlicht, bestätigt leider das, was wir von CLEANUP Leipzig seit Jahren beobachten und mit unseren wöchentlichen ehrenamtlichen Sammelaktionen immer wieder sichtbar machen.

Die Dimension ist erschreckend: 4.471 Tonnen illegal entsorgter Abfall im Jahr 2025. Das sind rund 60 voll beladene Güterwaggons. Hinzu kommen 3.400 entsorgte Elektrogeräte und Kosten von rund 684.000 Euro, die letztlich von der Allgemeinheit getragen werden müssen.

Noch 2023 waren es 2.165 Tonnen. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich die Menge damit mehr als verdoppelt.

Das sind keine abstrakten Zahlen. Dahinter stehen verschmutzte Grünanlagen, vermüllte Wege, belastete Ökosysteme und öffentliche Räume, die für die Menschen unserer Stadt zunehmend an Aufenthaltsqualität verlieren.

Wenn illegale Entsorgung einfacher erscheint als der Weg zum Wertstoffhof

„Wenn die Hemmschwelle niedriger ist, mit einem Pkw beispielsweise am Viadukt in Leipzig-Wahren seinen Müll illegal zu entsorgen, als das Risiko einer Bußgeldzahlung in Kauf zu nehmen, dann haben wir ein Problem. Und über dieses Problem sollten wir miteinander sprechen. Wir von CLEANUP Leipzig könnten dazu durchaus die eine oder andere Lösung anbieten.“

Harry Hensler, Sprecher CLEANUP Leipzig

Die Stadt Leipzig hat mit ihren 15 Wertstoffhöfen und weiteren Entsorgungsangeboten bereits wichtige Voraussetzungen geschaffen. Dennoch nehmen die illegalen Ablagerungen weiter zu.

Wir müssen uns deshalb fragen: Warum entscheiden sich Menschen trotz vorhandener Entsorgungsmöglichkeiten für den illegalen Weg? Liegt es an mangelnder Information, an Bequemlichkeit, an fehlendem Verantwortungsbewusstsein oder daran, dass das Risiko, erwischt zu werden, als zu gering eingeschätzt wird?

Die Antwort dürfte vielschichtig sein.

Die von der Stadt verhängten Bußgelder sind ein wichtiges Signal. Aber Sanktionen allein werden die Ursachen nicht beseitigen.

Unsere Parkanlagen erzählen eine andere Geschichte

Wer mit uns regelmäßig Müll sammelt, entdeckt schnell eine zweite Seite des Problems.

Hier geht es häufig nicht um illegal abgeladene Möbel, Bauschutt oder Elektrogeräte. Hier begegnet uns vielmehr der alltägliche Müll unserer Wegwerfgesellschaft.

Der Getränkebecher vom Kaffee unterwegs. Die Brötchentüte vom Bäcker um die Ecke. Verpackungen von Snacks, Süßigkeiten und Fast Food. Kunststofffolien, Getränkedosen und Zigarettenkippen.

Ein nahezu unüberschaubares Sammelsurium aus Einwegverpackungen, das unsere Grünanlagen, Straßenränder und öffentlichen Plätze belastet.

Und genau hier beginnt eine gesellschaftliche Diskussion, die weit über die Abfallentsorgung hinausgeht.

Wie viel Verpackungsmüll wollen wir eigentlich noch produzieren, konsumieren und anschließend der Allgemeinheit zur Entsorgung überlassen?

Es geht um die Verantwortung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Aber ebenso um die Verantwortung von Handel, Gastronomie, Verpackungsindustrie und Politik.

Wer über Sauberkeit spricht, muss deshalb auch über Müllvermeidung, nachhaltige Verpackungen und verantwortungsbewussten Konsum sprechen.

Ehrenamt kann unterstützen – aber nicht dauerhaft die Folgen beseitigen

Unsere Quartiermeisterinnen und Quartiermeister sowie die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer von CLEANUP Leipzig engagieren sich regelmäßig für saubere und lebenswerte Stadtteile.

Sie sammeln Müll, schaffen Begegnungen, sensibilisieren Menschen und übernehmen Verantwortung für ihr unmittelbares Lebensumfeld.

Doch wir müssen auch feststellen: Ehrenamtliches Engagement darf nicht zur dauerhaften Reparaturwerkstatt einer Gesellschaft werden, die immer mehr Müll produziert und achtlos zurücklässt.

Wir wollen nicht nur Müll aufsammeln. Wir wollen dazu beitragen, dass er gar nicht erst in unserer Umwelt landet.

Deshalb entwickeln wir unsere Arbeit konsequent weiter – mit Umweltbildungsangeboten für Kinder und Jugendliche, der Stärkung unserer Quartiermeister-Strukturen, Kooperationen mit Unternehmen und lokalen Einrichtungen sowie der aktiven Beteiligung der Menschen in ihren Stadtteilen.

Leipzig braucht einen gemeinsamen Lösungsansatz

Aus unserer Sicht sollten wir gemeinsam mit der Stadt Leipzig, der Stadtreinigung, den Stadtbezirken, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Initiativen darüber sprechen, wie wir die Entwicklung nachhaltig verändern können.

Dazu gehören für uns insbesondere:

  • Prävention und Umweltbildung: Bereits in Kitas und Schulen ein Bewusstsein für Abfallvermeidung, Ressourcenschutz und gesellschaftliche Verantwortung schaffen.
  • Lokale Verantwortung stärken: Quartiermeisterinnen und Quartiermeister sowie engagierte Menschen in den Leipziger Stadtbezirken besser vernetzen und unterstützen.
  • Illegale Müllablagerungen gezielter verhindern: Bekannte Schwerpunkte gemeinsam analysieren und geeignete Maßnahmen entwickeln.
  • Wirtschaft und Handel einbeziehen: Über Verpackungsvermeidung, Mehrweglösungen und die Verantwortung für die Folgen des Einwegkonsums sprechen.
  • Ehrenamt und Verwaltung vernetzen: Erfahrungen aus unseren regelmäßigen Cleanups systematisch nutzen, um Probleme frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Also, lasst uns mal reden!

Die aktuellen Zahlen der Stadt Leipzig sollten nicht nur Anlass für eine Diskussion über höhere Bußgelder sein. Sie sollten der Ausgangspunkt für eine breitere gesellschaftliche Verständigung werden.

Denn eine saubere Stadt entsteht nicht allein durch Kontrolle, Bußgelder oder die regelmäßige Beräumung illegaler Ablagerungen.

Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, wo Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten und wo wir beginnen, Müllvermeidung als gemeinsame Aufgabe zu verstehen.

Wir von CLEANUP Leipzig bringen unsere Erfahrungen, unsere Ideen und unser ehrenamtliches Netzwerk gerne in diesen Prozess ein.

Wir laden die Stadt Leipzig, die Stadtreinigung und weitere interessierte Akteure ausdrücklich zu einem gemeinsamen Gespräch ein.

Denn eines sollte uns klar sein:

Die sauberste Stadt ist nicht die, die am meisten Müll einsammelt. Sondern die, in der möglichst wenig Müll achtlos weggeworfen wird.

Also, Leipzig: Lasst uns mal reden!

Harry Hensler
Sprecher CLEANUP Leipzig

Bezug: Pressemitteilung der Stadt Leipzig vom 13. Oktober 2026 – „Illegale Müllentsorgung nimmt weiter zu: Stadt Leipzig verhängt Bußgelder“ https://www.leipzig.de/newsarchiv/news/illegale-muellentsorgung-nimmt-weiter-zu-stadt-leipzig-verhaengt-bussgelder


Die Verpackungssteuer gehört zurück auf die Tagesordnung

Mit Unverständnis haben wir von CLEANUP Leipzig die Entscheidung des Leipziger Stadtrates vom Mai 2026 zur Kenntnis genommen, die Einführung einer kommunalen Verpackungssteuer nicht weiterzuverfolgen.

Gerade angesichts der zunehmenden Vermüllung unserer öffentlichen Räume stellt sich für uns die Frage, warum ein rechtlich grundsätzlich zulässiges Instrument zur Förderung von Mehrweg und zur Vermeidung von Einwegverpackungen nicht erneut ergebnisoffen diskutiert werden sollte.

Dabei geht es uns ausdrücklich nicht darum, zusätzliche Steuereinnahmen für den städtischen Haushalt zu generieren. Es geht um die Lenkungswirkung, um Abfallvermeidung und um die Frage, wer künftig die gesellschaftlichen Folgekosten unserer Wegwerfkultur trägt.

Natürlich müssen dabei die Interessen kleiner Gastronomiebetriebe, des Einzelhandels sowie die finanziellen Auswirkungen auf Verbraucherinnen und Verbraucher berücksichtigt werden.

Eine freiwillige Mehrwegoffensive kann ein wichtiger Baustein sein. Ihre Wirksamkeit muss jedoch anhand nachvollziehbarer Ziele und messbarer Ergebnisse überprüft werden.

Wir von CLEANUP Leipzig halten es deshalb für notwendig, die Diskussion über eine kommunale Verpackungssteuer erneut aufzunehmen – sachlich, gemeinsam mit Wirtschaft, Verwaltung, Umweltverbänden und Zivilgesellschaft.

Denn wer Woche für Woche die weggeworfenen Verpackungen aus unseren Parkanlagen und Grünflächen sammelt, weiß, dass Müllvermeidung nicht erst am Papierkorb beginnen darf.

Harry Hensler, Sprecher CLEANUP Leipzig

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